Recherchezeitraum: 21.– 28. September 2026 · Erstellt am 28. September 2026 · Quellenregion: Global
Das Team von TravelBrain prüft jede Woche Dutzende von Newslettern und Webseiten, um Ereignisse und Trends im Travel Management und der Travel Technology zu erfassen. Diese Recherche und das Zusammenfassen der wichtigsten Punkte erfolgt unterstützt durch KI. Falls Ihr mit uns über die einzelnen Themen sprechen möchtet, oder zu einem der Themen Unterstützung braucht, lasst es uns gerne wissen.
Executive Summary
Die Woche zeigt ein auffälliges Auseinanderdriften von Stimmung und Risikolage: Der GBTA-Vertrauensindex klettert auf den höchsten Stand des Jahres 2026 – 63 % der Travel-Buying-Profis blicken optimistisch auf die nächsten zwölf Monate –, während gleichzeitig ein abgefangener Houthi-Raketenangriff bei Riad das US-Aussenministerium dazu bewegt hat, die Reisewarnung für praktisch den gesamten Nahen Osten auszuweiten. Beim Skift Global Forum 2026 in New York zeichnete sich derweil keine einheitliche KI-Strategie ab: Sierra-Gründer Bret Taylor plädierte für den durchgängigen KI-Agenten als „eine Konversation“, während Expedia-CEO Ariane Gorin bewusst auf spezialisierte „Point Agents“ statt eines Alles-Agenten setzt – Amadeus und Spotnana warnen zugleich, dass Interoperabilitäts-Standards noch fünf bis sieben Jahre entfernt sind. Delta setzt bei NDC mit einem gleichzeitigen Rollout über Sabre, Amadeus und Travelport sowie der Zusage, Agenturen nicht zum Wechsel zu zwingen, einen bemerkenswert kundenfreundlichen Kontrapunkt zu früheren, aggressiveren Airline-Strategien. Und im Expense-Bereich bestätigen frische Emburse-Daten, dass das Kostenwachstum vor allem vom Reisevolumen getrieben wird – nicht von steigenden Preisen allein.
1. Travel Management Allgemein
GBTA-Umfrage: Geschäftsreise-Vertrauen erreicht Jahreshoch 2026
Die Global Business Travel Association (GBTA) meldet einen deutlichen Stimmungsumschwung: 63 % der befragten Travel-Buying-Profis sind optimistisch für die kommenden zwölf Monate (April 2026: 41 %), nur noch 7 % sind pessimistisch (zuvor 24 %). 45 % der Einkäufer erwarten 2026 mehr Reisen, 56 % höhere Ausgaben – Europa verzeichnet mit einem Sprung von 21 % auf 55 % Optimisten die stärkste Trendwende aller Regionen.
BCD Travel integriert Emissionsdaten und CO2-Gebühren in Tripsource
BCD Travel hat sein Tripsource-Portal um CO2-Schätzungen für Flüge sowie Nachhaltigkeits-Hinweise für Hotels erweitert. Die Plattform ermöglicht neu auch die Erfassung von CO2-Gebühren sowie Benchmarking der Nachhaltigkeitsperformance direkt im Buchungsprozess.
Fazit: Die Stimmung hellt sich spürbar auf, doch Kostendruck und geopolitische Unsicherheit bleiben die eigentlichen Treiber der Reiseprogramm-Agenda – und mit BCD Travels Tripsource-Ausbau rückt Nachhaltigkeits-Reporting zusätzlich vom Nice-to-have zur Kernanforderung an TMC-Plattformen auf.
2. Online Buchung
Perk und Katanox vereinfachen Hotelzahlungen für Buchungsplattformen
Das ehemalige TravelPerk-Spin-off Perk hat sich mit Katanox zusammengetan, um Hotelbuchung, -zahlung und -abrechnung über ein Account-to-Account-Zahlungssystem abzuwickeln. Ziel ist es, die Abhängigkeit von virtuellen Kreditkarten bei Corporate-Hotelbuchungen zu reduzieren.
Skift Global Forum: Buchungsreise wird länger, KI-Vertrauenslücke bleibt gross
Die durchschnittliche Buchungsreise ist von rund 45 Touchpoints (2018) auf heute etwa 65 gewachsen, wobei jeder dritte Schritt Reisende eher vom Kaufabschluss wegführt als hin. Über 70 % der Reisenden nutzen KI bereits für Recherche und Vergleich, aber weniger als 16 % fühlen sich wohl dabei, direkt über ein KI-Tool zu buchen – und mehr als die Hälfte bucht nach dem ersten Kauf noch einmal um.
Expedia setzt bewusst auf viele spezialisierte KI-Agenten statt auf einen
Expedia ist Metas KI-Agenten Muse beigetreten und bleibt gleichzeitig mit Google AI Mode, ChatGPT, Claude und Amazons Alexa verbunden. CEO Ariane Gorin bezweifelt jedoch, dass ein grosser Teil der Buchungen künftig als durchgängige Konversation ablaufen wird, und setzt stattdessen auf spezialisierte „Point Agents“ für einzelne Planungsschritte.
Fazit: Buchungstechnologie bewegt sich weg vom Ideal eines einzigen KI-Interfaces hin zu spezialisierten Multi-Agent-Ansätzen, effizienterer Zahlungsabwicklung und stärkerem Fokus auf die Zeit nach der Buchung – reine Sichtbarkeit in der Suche reicht als Differenzierung nicht mehr.
3. TMCs
Travelogix und Kudos bündeln TMC-Technologie statt zu fusionieren
Der britische Travel-Data-Spezialist Travelogix und das australische Unternehmen Kudos Travel Technology haben eine strategische Kooperation angekündigt, die ihre Plattformen für TMCs enger verzahnt – inklusive Single-Sign-on, bereits erfolgreich getestet mit der australischen TMC Sanford Travel. Der Fokus liegt zunächst auf UK, Europa, Afrika und Asien, mit Expansionsplänen nach Australien/Neuseeland und Nordamerika.
GBTA: TMC-Umsatzausblick hellt sich schneller auf als die Kostenlage der Kunden
Laut derselben GBTA-Erhebung erwarten inzwischen 48 % der Anbieter und TMCs Umsatzwachstum für 2026 – ein deutlicher Sprung gegenüber 35 % im April.
Fazit: Eine ruhige Woche ohne grosse TMC-Übernahmen oder -Verträge – die eigentliche Bewegung findet auf zwei leiseren Ebenen statt: technologische Interoperabilität statt Konsolidierung, und ein Umsatzoptimismus bei TMCs, der der Zahlungsbereitschaft ihrer Kunden derzeit voraus ist.
4. Expense Management
Emburse-Daten: Reisevolumen, nicht nur Preise, treibt Kostenwachstum
Neue Emburse-Auswertungen von rund 9,1 Milliarden US-Dollar an Spesendaten (Januar–Juli 2026) zeigen ein Gesamtwachstum der Unternehmensausgaben von 4,8 % gegenüber dem Vorjahr. Transportkosten wuchsen um 26,7 % und machen damit 42 % des gesamten Dollar-Wachstums aus, obwohl sie nur 11 % der Gesamtausgaben ausmachen – das Buchungsvolumen stieg dabei um 18,7 %, deutlich stärker als der durchschnittliche Beleg (+6,7 %). Flugkosten allein stehen für 75,8 % des Transport-Wachstums, angeführt von British Airways (+42,7 %), United (+34,0 %) und Southwest (+32,2 %).
IRS legt neue Spesenpauschalen (Per Diem) für 2026/27 fest
Der US-amerikanische IRS hat die Pauschalsätze für Übernachtung, Verpflegung und Nebenkosten ab dem 1. Oktober 2026 aktualisiert: Hochpreis-Standorte steigen auf 329 USD/Tag (zuvor 319), andere Standorte auf 230 USD/Tag (zuvor 225); für die Transportbranche gelten künftig 80 USD (innerhalb der USA) bzw. 86 USD (international).
Fazit: Mengenwachstum statt Preistreiberei prägt die Kostenentwicklung – und mit dem 1. Oktober steht ein konkretes, technisches To-do für alle Expense-Verantwortlichen mit US-Bezug im Kalender.
5. Travel Risk Management
Nahost-Eskalation: USA weiten Reisewarnung auf praktisch die gesamte Region aus
Nach einem am 19. September abgefangenen Houthi-Angriff mit ballistischen Raketen und Drohnen nahe Riad – der ein Treibstofflager beim King-Khalid-Flughafen beschädigte und Ölanlagen in Yanbu ins Visier nahm – hat das US-Aussenministerium die Reisewarnungen für die Region deutlich verschärft. Betroffen sind inzwischen acht bis zehn Länder: Israel und Jordanien auf Stufe 3 („Reconsider Travel“), Libanon, Iran, Irak, Syrien, Gaza und Jemen auf Stufe 4 („Do Not Travel“); die FAA hält Luftraumsperrungen über dem Irak sowie Einschränkungen für Golf-Routen aufrecht, mehrere Airlines verschieben die Wiederaufnahme von Flügen nach Dubai, Doha und Tel Aviv wiederholt.
GBTA: Geopolitische Unsicherheit wird zur Mainstream-Sorge der Travel Buyer
In der GBTA-Vertrauensumfrage nennen 45 % der befragten Einkäufer geopolitische Unsicherheit inzwischen als eine der beiden grössten Sorgen für die kommenden zwölf Monate – gleich hinter den Reisekosten (69 %).
Fazit: Die eskalierende Nahost-Lage bleibt der dominante Risikofaktor der Woche – und dass geopolitische Unsicherheit laut GBTA inzwischen auch bei Einkäufern selbst als Top-2-Sorge auftaucht, zeigt: Risiko- und Kostenthema wachsen zusammen.
6. NDC (New Distribution Capability)
Delta bringt NDC gleichzeitig über Sabre, Amadeus und Travelport
Delta Air Lines wird bis Jahresende 2026 NDC-Inhalte gleichzeitig über alle drei grossen GDS – Sabre, Amadeus und Travelport – ausrollen, ergänzt um ausgewählte Direktanbindungen und eine Partnerschaft mit Amex GBT. Zum Start stehen Flugsuche, Ticketing, Stornierungen, Privattarife, ARC-Settlement und Corporate-Priority-Leistungen zur Verfügung; anders als American Airlines zwingt Delta Agenturen ausdrücklich nicht, bestehende Vertriebskanäle aufzugeben.
Fazit: Eine ruhige Woche bei NDC – aber Deltas Entscheidung, alle drei GDS gleichzeitig zu bedienen und auf Zwang zu verzichten, könnte mehr Airlines dazu bewegen, den kooperativen statt den konfrontativen NDC-Weg zu wählen.
7. AI in Travel
Sierra-Gründer Bret Taylor: KI-Agenten scheitern an der eigenen Organisationsstruktur
Beim Skift Global Forum 2026 argumentierte Bret Taylor (Sierra, OpenAI-Chairman), KI-Agenten könnten komplette Kundenreisen als eine durchgehende Konversation abwickeln – viele Unternehmen würden diese Fähigkeit aber verschenken, indem sie Kunden weiterhin zwischen Abteilungen hin- und herreichen. Sein Kernsatz: „Shipping your org chart should never, ever, ever happen in the world of AI.“
Agentische KI in Travel: Infrastruktur und Standards fehlen noch
Laut Spotnana-CEO Steve Singh entfallen 90 % der Kosten und 90 % der Unzufriedenheit im Reiseerlebnis auf den Service nach der Buchung – genau dort verspricht agentische KI den grössten Return on Investment. Amadeus-Vertreterin Elena Avila betonte jedoch, dass branchenweite Standards für Identität, Daten und Interoperabilität fehlen; die Branche habe „70 Jahre Geschichte des genauen Gegenteils“ und brauche fünf bis sieben Jahre, um das aufzuholen. Eine Publikumsumfrage vor Ort zeigte tiefe Uneinigkeit: 40 % bezweifeln, 34 % glauben, dass gemeinsame Standards bis 2030 stehen.
Welttourismustag 2026: UNWTO und WTTC rücken KI und digitale Identität ins Zentrum
Zum Welttourismustag 2026 betonte WTTC-Präsidentin Gloria Guevara, KI und digitale Identität würden neu definieren, wie die Welt reist – Reiseziele und Unternehmen, die diesen Wandel anführen, würden die Zukunft der Branche prägen. Der Sektor trug 2025 rund 11,7 Billionen US-Dollar zum globalen BIP bei (10,3 % der Weltwirtschaft, jeder neunte Arbeitsplatz weltweit); UN-Generalsekretär António Guterres warnte zugleich, unregulierte KI könne Reisende auf wenige populäre Ziele konzentrieren und weniger bekannte Destinationen benachteiligen.
Fazit: KI in Travel wird auf höchster Ebene – von Sierra über Amadeus und Spotnana bis zu UNWTO und WTTC – einhellig als strukturelle Infrastrukturfrage behandelt; die Umsetzungslücke bei Daten, Identität und Interoperabilität bremst das Tempo, nicht der fehlende Wille.
Trend-Analyse & Ausblick
Übergreifender Trend 1 – Stimmung und Risiko laufen auseinander: Der GBTA-Vertrauensindex erreicht ein Jahreshoch, während die Nahost-Eskalation die US-Reisewarnungen auf praktisch die gesamte Region ausweitet. Für Reiseprogramme heisst das: Wachstum und verschärftes Risikomanagement müssen 2026/27 gleichzeitig eingeplant werden, nicht nacheinander.
Übergreifender Trend 2 – KI in Travel spaltet sich in konkurrierende Architekturen: den durchgängigen Super-Agenten (Sierra/Taylor), das Multi-Agent-Modell mit spezialisierten Point Agents (Expedia) und den infrastrukturorientierten Blick von Amadeus und Spotnana, der zunächst Standards und Servicing-Fähigkeit fordert. Einigkeit besteht nur in einem Punkt: Der grösste kurzfristige Hebel liegt im Post-Booking-Service, nicht in der Buchung selbst.
Übergreifender Trend 3 – Interoperabilität statt Zwang setzt sich durch: bei NDC (Delta lässt Agenturen die Wahl, statt sie zu zwingen), bei TMC-Technologie (Travelogix/Kudos kooperieren statt zu fusionieren) und bei KI-Standards (Amadeus fordert branchenweite Interoperabilität statt Insellösungen). Wer heute Verträge verhandelt, sollte diese Kooperationsbereitschaft aktiv einfordern.
Ausblick: Für die kommenden Wochen erwarten wir weitere Konkretisierung aus dem Skift Global Forum, den WTTC Global Summit in Malta (7.–9. Oktober) als nächsten Taktgeber für die KI- und Digital-Identity-Debatte sowie eine mögliche weitere Verschärfung – oder erste Stabilisierungssignale – bei den Nahost-Reisewarnungen vor dem vierten Quartal. Ab dem 1. Oktober gelten zudem die neuen US-Spesenpauschalen, was in den kommenden Tagen zu praktischen Anpassungen in Expense-Systemen führen dürfte.


