Finass Business Travel Insights 2026 – Travel Risk Management im Fokus

TravelBrain Blogpost Finass Business Travel Insights 2026 -
Rückblick auf die Finass Business Travel Insights 2026 im SIX ConventionPoint Zürich: Travel Risk Management, Alerting, Krisenorganisation und UX im Geschäftsreisen.

Finass Business Travel Insights 2026 – Travel Risk Management im Fokus

TravelBrain Blogpost Finass Business Travel Insights 2026 - Bild Saal und Bühne (ohne Publikum)

Am 27. Oktober 2026 fand im SIX ConventionPoint in Zürich der diesjährige Finass Business Travel Insights statt. Im Zentrum stand ein Thema, das in vielen Unternehmen lange am Rand des Travel Managements stand: Travel Risk Management. Unter dem Titel «Reisesicherheit zwischen Fürsorgepflicht und Führungsverantwortung» erwartete die Teilnehmenden ein Nachmittag mit Referaten aus Governance, Krisenmanagement, Alerting und Airline-Praxis, einer Podiumsdiskussion und einem Referat über Kommunikation von einem ehemaligen Geheimagenten.

Der Anlass wurde unter der Leitung von Marc Brunner, Leiter Geschäftsreisen bei Finass Reisen, durchgeführt. Rund 70 Reiseverantwortliche sowie Vertreterinnen und Vertreter von Leistungsträgern und Sponsoren folgten der Einladung. Nach der Begrüssung durch Marc Brunner durfte ich als Moderator durch den ganzen Nachmittag führen.

Chefsache statt Nebensache – Reiserisiko in der Corporate Governance

TravelBrain Blogpost vom Finass BTI 2026 - Referent Reto Wenger Bild 1

Den Auftakt machte Reto H. Wenger, Founder und Managing Director von LakeHill GRC. Vor seiner Selbständigkeit war er fünf Jahre Vice President und Compliance Officer bei Centogene Switzerland und davor zehn Jahre Leiter der internen Kontrollstelle bei Holcim. Entsprechend nüchtern fiel sein Vergleich aus: Finanzrisiken sind in der Unternehmensführung etabliert, sie werden bewertet, regelmässig neu beurteilt und bis in den Verwaltungsrat berichtet. Reiserisiken dagegen laufen oft ad hoc. Das Netto-Risiko, also das, was nach allen Massnahmen übrig bleibt, wird selten neu bewertet, und die Verantwortung liegt häufig beim Travel Management oder beim Einkauf, nicht selten ohne Mandat der Geschäftsleitung.

Seine Lösung braucht keinen neuen Prozess: Reiserisiko soll einen festen Platz im bestehenden jährlichen Governance- und Risikozyklus erhalten – identifizieren, bewerten, steuern, überwachen und berichten. Als ersten Schritt empfahl er, eine einzige Reise auf einer Seite zu beschreiben und festzuhalten, was ein Zwischenfall dort auslösen würde: in Franken, in Ausfalltagen und für den Ruf des Unternehmens. Damit hat die Geschäftsleitung eine Grundlage für einen Entscheid.

Fakten unter Druck – wie verlässliches Echtzeit-Alerting sichergestellt wird

Livia Deuser von Crisis24 ist seit über 15 Jahren im Unternehmen und widmet sich ganz dem Thema Reisesicherheit. Sie zeigte, was gutes Alerting leisten muss: die richtigen Informationen, zur richtigen Zeit, an die richtigen Personen, mit der Empfehlung konkreter Massnahmen und einer klaren Einstufung der Dringlichkeit in vier Eskalationsstufen.

Hinter einer Meldung steckt viel Arbeit. Crisis24 wertet über eine Million öffentliche Datenquellen aus, von Nachrichtenmedien über soziale Netzwerke bis zu Sensordaten. Ein Global-Intelligence-Team prüft, was davon tatsächlich ein qualifizierter Vorfall ist, bevor betroffene Reisende und Verantwortliche gezielt informiert werden. Verlässlichkeit entsteht also nicht durch möglichst viele Meldungen, sondern durch geprüfte Fakten unter Zeitdruck.

Wer entscheidet über unser Risiko?

TravelBrain Blogpost Finass Business Travel Insights 2026 Bild Matthias Schmid-Huberty

Matthias Schmid-Huberty, Direktor und Gründer der mpacts GmbH, berät Non-Profit-Organisationen rund um Governance, Risk und Strategie. Er hat viele Jahre als COO die Wyss Academy for Nature mitgeführt und dort das Thema Reisesicherheit aufgebaut, war Verwaltungsdirektor des Swiss TPH und unterrichtet an der ETH Zürich zu Korruptionsbekämpfung und Betrugsprävention.

Anhand von Beispielen aus Evakuation und Krisengebiet, Korruption, Kidnapping und Gesundheit zeigte er, dass die Fürsorgepflicht die juristische Untergrenze ist, nicht das Ziel. Verantwortung liegt auf drei Stufen: bei den Mitarbeitenden, in der Geschäftsleitung und im Verwaltungsrat, jeweils vor und nach einem Ereignis. Besonders hängen blieb ein Bild: Das Training sitzt hinten, das Risiko vorne. Entsandte Fachpersonen erhalten ein Sicherheitstraining, der lokale Fahrer am Steuer oft nicht. Seine Reihenfolge für Organisationen: zuerst das Mindset im Verwaltungsrat, dann das Skillset in der Geschäftsleitung, zuletzt das Toolset bei den Mitarbeitenden. Wer beim Tool beginnt, kauft Software und behält das Problem.

Und er hinterliess vier Fragen, die sich jedes Verwaltungs- und Geschäftsleitungsmitglied stellen kann: Sind unsere Safety-&-Security-Guidelines jünger als drei Jahre? Gibt es einen Krisenplan, den die Geschäftsleitung gelesen hat? Sind Reise-, Verkehrsunfall- und Korruptionsrisiko im internen Kontrollsystem reflektiert? Und hat der Krisenstab Namen statt Funktionen?

Podiumsdiskussion: Travel Risk

TravelBrain Blogpost Finass Business Travel Insights 2026 - Podiumsdiskussion

Unter meiner Moderation diskutierten Reto Wenger, Livia Deuser, Matthias Schmid-Huberty und Michel Jegerlehner, Mitgründer und Managing Director von Traveo. Zur Sprache kamen der grösste blinde Fleck beim Reiserisiko in Schweizer Unternehmen, was im Ernstfall in den ersten Minuten funktionieren muss und woran es in der Praxis scheitert, wie man einer Geschäftsleitung erklärt, dass null Risiko eine Illusion ist, und wie viel Travel Risk Management für ein KMU mit vielleicht 30 Reisenden genug ist, ohne dass ein Bürokratiemonster entsteht.

Die vielleicht unbequemste Frage betraf den Unterschied zwischen entsandten und lokalen Mitarbeitenden: Wer Versicherung, Hotline und Evakuationsplan hat und wer nach dem Vorfall vor Ort bleibt, trägt dasselbe Risiko. Das ist keine Frage an einzelne Firmen, sondern eine gemeinsame Aufgabe der ganzen Branche.

Die Referierenden gaben dem Publikum eine klare Empfehlung mit: Suchen Sie unbedingt das Gespräch mit der Geschäftsleitung, um das Thema zu platzieren und auf die Agenda zu bringen. Dafür muss man nicht gleich mit der ganz grossen Kelle anrühren. Wichtig ist, dass die internen Verantwortlichkeiten geklärt und allfällige Risiken und Kosten bekannt sind. Darauf lässt sich dann aufbauen. Michel Jegerlehner von Traveo meinte dazu, dass sich eine einfache Lösung für Kunden in Zusammenarbeit mit Finass Reisen innerhalb von zwei bis drei Wochen aufsetzen lasse.

Mehr als nur Fliegen – wenn eine Airline zur Krisenorganisation wird

Nach der Networking-Pause und dem Besuch der Business Travel Expo gab Sven Marty, Emergency Response Manager bei SWISS International Air Lines, einen Einblick in die Krisenorganisation der Airline. Er ist seit zwölf Jahren in der Luftfahrt tätig und seit drei Jahren Krisenmanager bei SWISS. Er plant und koordiniert die Notfall- und Krisenprozesse und leitet im Ereignisfall den Krisenstab.

Er zeigte, wie die Emergency Response Organisation bei einem Flugunfall oder einer schweren operativen Störung aufgebaut ist, wie der Krisenstab mit klaren Rollen wie Emergency Director und Intelligence Officer strukturiert wird und wie regelmässige Übungen die Organisation vorbereiten. Als Fallbeispiel diente die Eskalation im Nahen Osten: Die ersten 48 Stunden mit mehreren Krisenkomitees der Lufthansa Group und von SWISS, der Evakuation von Crews, dem Entscheid zur Luftraumsperrung und einem Sonderflug zur Rückholung von Mitarbeitenden machten sichtbar, wie viel Organisation hinter etwas steckt, das für Reisende meist unsichtbar bleibt.

From User Interface to User Experience

TravelBrain Blogpost Finass Business Travel Insights 2026 Kai Gordon Weiland Bild 2

Kai-Gordon Weiland, Chief Sales Officer bei Atriis Technologies, schlug die Brücke von Risiko und Krise zum Alltag der Reisenden. Seine These: Das unterschätzte Risiko sitzt im Büro nebenan, beim Reisenden, der nach 847 Hotelresultaten das Buchungstool schliesst und ausserhalb der Policy bucht. Ein gutes Tool zeigt nicht eine lange Liste von Optionen, sondern wenige begründete Entscheidungen, abgestimmt auf Person, Unternehmen und Moment.

Das hat auch mit Sicherheit zu tun: Laut den von Atriis zitierten Studien laufen im Schnitt rund ein Drittel der Hotelbuchungen am vorgeschriebenen Tool vorbei, und nur wenige Unternehmen haben eine konsolidierte Sicht auf ihr Reiseprogramm. Wer nicht weiss, wo seine Reisenden sind, kann sie im Ernstfall auch nicht schützen. Seine Schlussfolgerung: Die Fürsorgepflicht beginnt nicht im Krisenstab, sie beginnt bei der Buchung.

Und er blickte bewusst nach vorn: Kai-Gordon Weiland ist überzeugt, dass selbst die heutige, auf User Experience ausgerichtete Version der Atriis-Buchungsplattform in zwei Jahren kaum mehr zeitgemäss sein wird, weil KI-getriebene Prozesse und Buchungen die Branche vor ganz neue Herausforderungen stellen.

Geheimwaffen der Kommunikation

TravelBrain Blogpost Finass Business Travel Insights 2026 - Geheimagent Leo Martin mit Zielpersonen auf der Bühne

Zum Abschluss des Programms sprach Leo Martin, früher beim deutschen Geheimdienst. Kaum auf der Bühne, hatte er die Teilnehmenden in seinen Bann gezogen.

Mit Beispielen aus seinem Leben als Geheimagent zeigte er, worauf es dabei ankommt. Er musste in kürzester Zeit Vertrauen aufbauen, unter extremen Bedingungen und mit enormem Risiko. Sein Erfolg hing davon ab, Menschen für sich und seine Ziele zu gewinnen. Genau dabei erprobte er die Kommunikationsstrategien, die heute in jeder Führungssituation und in jedem Unternehmen wirksam sind.

Einige seiner Techniken zeigte er live auf der Bühne mit vier zufällig ausgewählten Teilnehmenden: Reaktionen lesen, verunsichern, stärken, loben und dabei immer auf leise Veränderungen in der Körpersprache achten. Sein Leitgedanke, den er auch auf seiner Webseite formuliert: «Man muss Menschen rühren, nicht schütteln!»

Networking Apéro und Business Travel Expo

Abgerundet wurde der Nachmittag mit dem Apéro Riche im Foyer, offeriert durch Lufthansa Group, United Airlines und Air Canada. Zusammen mit der Business Travel Expo bot er die Gelegenheit, das Gehörte zu vertiefen, sich bei den Ausstellern zu informieren und sich mit Kolleginnen und Kollegen aus der Branche auszutauschen.

TravelBrain Fazit

Die Finass Business Travel Insights 2026 haben gezeigt, dass Travel Risk Management längst kein Spezialthema mehr ist, sondern eine Führungsaufgabe. Technik, Alerting und Krisenorganisation sind wichtig, entscheidend ist aber, dass jemand vorher bewusst entschieden hat, wie viel Risiko ein Unternehmen trägt, wer im Ernstfall entscheiden darf und wer dabei nicht vergessen wird. Gute Planung verspricht nicht, jede Überraschung zu verhindern. Sie sorgt dafür, dass aus einer Überraschung nicht gleich ein Problem wird. Plan B darf also gern mitreisen, auch wenn wir hoffen, dass er die ganze Zeit im Koffer bleibt.

Wie Sie Travel Risk Management in Ihrem Unternehmen pragmatisch aufsetzen, zeigen wir Ihnen gerne: Mehr zu unserem Angebot finden Sie unter Travel Risk Management auf travelbrain.ch.

Im Namen von TravelBrain bedanke ich mich ganz herzlich bei Marc Brunner und dem Team von Finass Reisen für die Einladung und das Vertrauen, den Nachmittag moderieren zu dürfen. Und natürlich bei allen Referierenden für ihre Beiträge.

Adrian Matt für TravelBrain

Fotos: Adrian Matt & Finass Reisen

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